Das Fortpflanzungsmedizingesetz

Die Reproduktionsmedizin in Österreich ist gesetzlich streng geregelt und zusätzlich unterliegen alle IVF-Institute dem Krankenanstaltengesetz. Zwei Gesetze, die sich speziell der Fortpflanzungsmedizin und der teilweisen Kostenübernahme der Behandlung durch öffentliche Mittel widmen, sind das Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG) und das IVF-Fonds Gesetz.

Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG)

Das „Bundesgesetz, mit dem Regelungen über die medizinisch unterstützte Fortpflanzung getroffen (Fortpflanzungsmedizingesetz – FMedG) werden, trat am 1.7.1992 in Kraft, und wurde 2004 und 2015 novelliert.

FMed-Gesetz
Fmed-Gesetz Novelle 2004
FMed-Gesetz Novelle 2015
Gewebesicherheitsgesetz 2008

Fortpflanzungsmedizingesetz

IVF-Fonds-Gesetz

Das IVF-Fonds-Gesetz trat mit 1.1.2000 in Kraft. Dieses Gesetz regelt die Einrichtung des sogenannten IVF-Fonds, und welche Paare in Österreich unter welchen Voraussetzungen und für welche Behandlungen Anspruch auf eine (70%ige) Kostenübernahme durch diesen Fonds haben. Eine Novellierung des Gesetzes erfolgte im Zuge der Novellierung des FMed-G im Jahr 2004 und 2015.

IVF-Fondsgesetz Novelle 2004
IVF-Fondsgesetz Novelle 2010

IVF-Fonds Gesetz Novelle 2015

Welche Neuerungen ergeben sich durch die FMed-G Novelle 2015?

Insemination & IVF mit Spendersamen für lesbische Paare

Durch die im Jänner 2014 getroffene Entscheidung des VfGH, Samenspenden für lesbische Frauen zur Behandlung mit Insemination zu ermöglichen, tritt mit Februar 2015 nach erfolgreicher Mehrheit bei der Abstimmung im Nationalrat das neue Fortpflanzungsmedizingesetz in Kraft.

Insemination & IVF für lesbische Paare

Analog zu heterologen Partnerschaften benötigen lesbische Paare einen Notariatsakt, indem sie der Behandlung zustimmen. Damit gelten nach Geburt des Kindes beide Partnerinnen als Eltern. Für die Versuchsplanung benötigen wir ausschließlich Befunde von jener Partnerin, die das Kind später austragen wird.

IVF mit Spendersamen für heterosexuelle Paare

Bisher war die In-vitro Fertilisation nur mit dem Samen des Partners möglich, ab sofort können dafür auch Spendersamen verwendet werden.

Bei wenigen Männern besteht eine komplette Zeugungsunfähigkeit. In diesem Fall werden keine Samenzellen im Hoden gebildet. Eine Schwangerschaft kann dann nur durch die Verwendung von „Samen eines Dritten“ oder auch „Samenspender“ erzielt werden. Die Behandlung mit einer Samenspende wird manchmal auch von Paaren gewählt, wenn trotz bestehender Zeugungsfähigkeit das Risiko einer Erbkrankheit zu hoch ist oder eine aufwendige operative Samenzellgewinnung abgelehnt wird.

Dies ist insbesondere nötig, wenn:

  • beim Mann ein sehr schlechter Samenbefund bzw. keine Samenproduktion besteht
  • bisherige Versuche mit ICSI an Befruchtungsversagen scheiterten
  • wenn eine Fertilitätseinschränkung der Partnerin, wie z.B. ein Tubenverschluss, PCO-Syndrom oder Endometriose vorliegt

Eizellspende

Für Frauen im frühzeitigen Wechsel oder jene, die aufgrund von vorgegangenen Krankheiten über keine ausreichende Eizellreserve verfügen, wird die Eizellspende nun legalisiert. Dabei darf die Spenderin nicht älter als 30 Jahre, die Empfängerin nicht älter als 45 Jahre sein. Die Eizellen der Spenderin werden bei dieser Behandlung mit dem Samen des Mannes befruchtet und die Embryonen der Empfängerin zurückgegeben.

Das gezeugte Kind erhält (wie auch bei einer Behandlung mit Spendersamen) das Recht, die Identität der Spenderin ab dem 14. Lebensjahr zu erfahren. Für diese gilt aber niemals eine Unterhaltspflicht. Zusätzlich darf die Eizellspenderin durch das geregelte Kommerzialisierungsverbot kein Entgelt für die Spende verlangen.

Präimplantationsdiagnostik

Das unter allen Beteiligten wohl umstrittenste Thema, die PID, wird unter Restriktionen zugelassen. Sie soll nach drei erfolglosen IVF Versuchen oder drei Fehlgeburten zur Überprüfung der Lebensfähigkeit des Embryos möglich sein. Außerdem darf sie durchgeführt werden, wenn aufgrund einer genetischen Anlage eines Elternteils die Gefahr einer schweren Erbkrankheit besteht.

Was ist Präimplantationsdiagnostik?

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) ist eine frühe Form der Pränataldiagnostik (PND) und bietet Paaren die Möglichkeit, genetische Erkrankungen oder Erbkrankheiten des Kindes oder das Risiko eines späteren Schwangerschaftsabbruches zu vermeiden. Aufgrund der österreichischen Gesetzeslage kann die PID nur limitiert in Österreich Anwendung finden. Eine Sonderform der PID, welche ebenfalls im Kinderwunschzentrum Goldenes Kreuz angeboten wird, ist die sogenannte „Polkörperdiagnostik“. Hier handelt es sich nicht um eine Untersuchung des Embryos, sondern um eine Untersuchung der Polkörper. Dadurch können im Rahmen der künstlichen Befruchtung indirekt Rückschlüsse auf die genetische Gesundheit der Eizellen gezogen werden.