Einnistungsversagen

Die Einnistung ist ein wichtiger Augenblick bei der Entstehung einer Schwangerschaft. Der Embryo muss Kontakt zur Gebärmutterschleimhaut aufnehmen und diese muss in einem besonderen Zustand sein, um diesen Kontakt überhaupt zuzulassen. Leider scheitern viele Behandlungen an der Einnistung, daher ist es uns ein besonderes Anliegen, die Einnistung zu verbessern.

Einnistungsversagen

Wiederholtes Einnistungsversagen

Von wiederholten Einnistungsversagen („repeated implantation failure“ – RIF) spricht man, wenn im Rahmen der IVF mehrmals Embryonen mit guter Qualität eingesetzt werden und dennoch keine Schwangerschaft eintritt. Die Ursachen können entweder am Embryo selbst liegen oder an der Gebärmutter bzw. dem Milieu in der Gebärmutter.

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Probleme des Embryos

Die häufigsten Veränderungen die den Embryo betreffen, sind genetische Anomalien. Durch Erkenntnisse der Präimplantationsdiagnostik (PID, PGD) wissen wir, dass 30-90% der befruchteten Eizellen Veränderungen des Erbguts aufweisen. Dieser Prozentsatz korreliert am ehesten mit dem mütterlichen Alter.

  • Samenzellen können aber auch genetische Veränderungen (DNA Fragmentierung) aufweisen.
  • Verdickungen oder Verhärtungen der Eihülle können das „Schlüpfen“ des Embryos verhindern.

Probleme der Gebärmutter

Organische Veränderungen der Gebärmutter können angeboren (Gebärmutteranomalie, Uterus duplex, Uterusseptum etc.) oder neu entstanden sein (Myome, Polypen, Verwachsungen etc.). Für eine erfolgreiche Einnistung in die Gebärmutter ist ein gut geregeltes Immunsystem notwendig. Immunologische Probleme können eine mögliche Ursache für ein Einnistungsversagen darstellen.

Ebenso ist die hormonelle Stimulation und das Ansprechen der Gebärmutterschleimhaut auf Östrogen und nach dem Eisprung auf das Gelbkörperhormon eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Einnistung.

Welche Abklärungsmöglichkeiten haben wir?

  • Genetische Untersuchung des Paares (Chromosomenuntersuchung)
  • Spezielle Samenuntersuchung (DNA Fragmentierung, Hyaluronanbindung)
  • Infektionsabklärung
  • Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie – HSK)
  • Immunologische Abklärung
  • Abklärung von Blutgerinnungsstörungen

Spezialmethoden bei Einnistungsversagen

Wir bieten eine Vielzahl an Methoden an, die darauf abzielen, die Wahrscheinlichkeit einer Einnistung zu erhöhen. Dazu gehören u.a. das Assisted Hatching, die Einnistungsspritze bzw. -curettage, der Embryoglue, FertiGrow oder die Seminalplasmaspülung. So können wir auch noch Schwangerschaften bei Paaren erzielen, die bereits mehrere vergebliche Versuche hatten. Wir implementieren ständig neueste Erkenntnisse in unsere tägliche Routine und führen darüber hinaus auch wissenschaftliche Studien durch. Untenstehend finden Sie detaillierte Informationen zu den einzelnen Spezialmethoden.

Assisted Hatching - die Schlüpfhilfe

Damit eine Schwangerschaft eintreten kann, muss der Embryo seine Hülle, die Zona pellucida, verlassen können. Dieser Schlüpfvorgang ist daher für den Erfolg der Behandlung essentiell. Um dem Embryo das Verlassen der Zona pellucida zu erleichtern wurde eine spezielle Methode, das Assisted Hatching, entwickelt. Dabei wird in die Hülle des Embryos mit einer Pipette oder einem speziellen Laser ein kleines Loch gemacht.

Folgende Patientengruppen können einen möglichen Vorteil durch Assisted Hatching haben:

  • Lebensalter der Frau über 37 Jahre
  • erhöhter FSH Spiegel vor Behandlungsbeginn
  • eingeschränkte Embryonalqualität
  • Embryonen mit auffällig dicker Zona pellucida (Eihülle)
  • vorangegangene, erfolglose Versuche

Wie wird die Methode durchgeführt?

Die Schlüpfhilfe kann mit verschiedenen Techniken durchgeführt werden:

  • Mechanische Schlüpfhilfe durch Mikromanipulation mit einer Glasnadel
    Der Embryo wird auf einer Seite mit einer speziellen Pipette festgehalten. Eine zarte Nadel wird durch die Eihülle geschoben, ohne die Zellen des Embryos zu berühren bzw. zu verletzen. Die Eihülle wird zwischen Nadel und Pipette vorsichtig gerieben, bis eine schlitzförmige Öffnung entsteht. (siehe Bilder)
  • Laserassistierte Schlüpfhilfe
    – durch Laserfaser im direkten Kontakt oder gebündeltes Laserlicht über die Mikroskoplinsen geleitet
  • „Andauen“ der Eihülle mit Säure (Tyrod’sche Lösung)

 

Einnistungsspritze & Einnistungscurettage

Die Einnistungsspritze

Hormone spielen bei der Einnistung eine wichtige Rolle. Es hat sich gezeigt, dass das Verordnen eines zentralen Hormons zum Zeitpunkt der Einnistung zu einer erhöhten Schwangerschaftsrate führt. Wir im Kinderwunschzentrum haben die Einnistungsspritze als erstes Institut routinemäßig eingeführt. Dieses GnRH-Analog wird am 6. Tag nach der Follikelpunktion (dieser Tag wird nicht mitgezählt) subkutan mit einer Einmalinjektion durch die Patientin morgens verabreicht.

Wir raten davon ab, wenn sich viele Eibläschen (Follikel) bis zur Punktion gebildet haben. Die Injektion kann ansonsten die Entstehung einer Überstimulation (OHSS) fördern.

 

Die Einnistungscurettage

Bemerkenswerte Studien zeigten, dass eine kleine Reizung der Schleimhaut durch eine kleine Curettage im Zyklus vor dem eigentlichen Behandlungszyklus die Schwangerschaftsrate steigert. Sie wird üblicherweise um den 14. Zyklustag durchgeführt, also bevor noch die eigentliche Stimulation beginnt. Auch wenn nach dieser Curettage noch eine Monatsblutung folgt, scheint der positive Effekt dennoch anzuhalten.

Diese Methode ist mit einer traditionellen Curettage nicht zu vergleichen. Es werden nur geringe Teile der Schleimhaut entnommen (vergleichbar mit einem Krebsabstrich). Es ist keine Routinemethode, da sie zeitaufwendig ist und einen weiteren kleinen Eingriff bedeutet. Die Methode kommt daher nur bei wenigen Paaren zur Anwendung bei denen bisherige Behandlungen nicht erfolgreich waren.

Embryoglue

Der Embryoglue ist ein spezielles Medium für den Embryotransfer, welches den Embryonen das Anhaften an die Gebärmutterschleimhaut erleichtern soll. Die Konsistenz des Embryoglue ist ähnlich einer von der Gebärmutterschleimhaut abgegebenen Flüssigkeit und enthält den wichtigen Stoff Hyaluron. Das Medium legt sich schützend um den Embryo und unterstützt durch seine „klebrigen“ Eigenschaften die Kontaktaufnahme zwischen Embryo und Schleimhaut.

Um wissenschaftliche Literatur zu untermauern, wurde im Kinderwunschzentrum eine Untersuchung bei 114 Patientinnen durchgeführt. Eingeschlossen wurden Patienten, die bereits mehrere erfolglose IVF-Versuche bzw. eine schlechte Embryonalqualität hatten. Als Ergebnis dieser Studie können wir die Verwendung des Embryoglue bei folgenden Indikationen empfehlen:

  • Lebensalter >35 Jahre & mind. zweimaliges Einnistungsversagen
  • schlechte Embryonalqualität unabhängig vom Lebensalter

Mehr Informationen zum Embryoglue finden Sie in diesem Informationsblatt: Information „Embryoglue“

E-Motion

Bei dieser Methode soll durch den Einsatz von Bewegung in der Embryonalkultur im IVF-Labor eine Steigerung der Schwangerschaftsrate erzielt werden.

Der vermutete förderliche Effekt dieser neuen Methode basiert auf 2 Mechanismen:

  • Mit dem Einsatz von Bewegung während der in vitro Kultur im Labor soll der Embryo in seiner Entwicklung angeregt und stimuliert werden, wodurch ein höheres Einnistungspotential erzeugt werden soll.
  • Die sanfte Hin- und Herbewegung soll die Verteilung der Nährstoffe im Kulturmedium, in dem sich die Embryonen befinden, begünstigen und einen besseren Abtransport von Schadstoffen gewährleisten.

In Voruntersuchungen konnte bewiesen werden, dass ein nachteiliger Effekt dieser Methode ausgeschlossen werden kann.


Wer darf teilnehmen?

Zu dieser Studie sind alle Paare herzlich eingeladen, die sich einer Kinderwunschbehandlung mittels ICSI-Methode unterziehen.

Wie können Sie teilnehmen?
Im Zuge der Vorbereitung wird Ihnen eine Einverständniserklärung ausgehändigt, in der alle Details dieser Studie genau beschrieben sind. Sollten Sie sich für eine Teilnahme entscheiden, ist diese Einverständniserklärung unterschrieben abzugeben. Die Mitarbeiter des IVF-Labors prüfen in weiterer Folge, ob Sie tatsächlich für diese Studie in Frage kommen.

 

ERA-Test (Bestimmung Implantationsfenster)

Ein wichtiger Punkt für die Einnistung ist die Empfänglichkeit des Endometriums (Gebärmutterschleimhaut) zum Zeitpunkt des Transfers. Der Embryo kann sich nur in einem bestimmten Zeitfenster in die Gebärmutterschleimhaut einnisten, normalerweise zwischen dem 19. – 21. Zyklustag (bzw. 5 – 7 Tage nach der Ovulation). Dieses Zeitfenster wird „Implantationsfenster“ genannt.

Bei ca. 25% aller Patientinnen mit einem wiederholten Einnistungsversagen liegt ein sogenanntes verschobenes Implantationsfenster vor. Dieses Implantationsfenster kann mit dem „Endometrial Receptivity Array (ERA)“ diagnostiziert werden. Dadurch wird es möglich, den Embryonentransfer zum optimalen Zeitpunkt durchzuführen und damit die Erfolgschancen der In‐Vitro‐Behandlung zu vergrößern.

Um die ERA Diagnostik durchzuführen wird zum Zeitpunkt des geplanten Embryotransfers mit Hilfe eines dünnen Katheters (ähnlich wie beim Embryotransfer) eine kleine Gewebeentnahme der Gebärmutterschleimhaut vorgenommen.


ERA – Testergebnis

Wenn das Endometrium „rezeptiv“ ist, so bedeutet dies, dass der Embryo zu diesem Zeitpunkt in der Lage ist, sich einzunisten. Der Embryotransfer kann im folgenden Zyklus zu diesem Zeitpunkt durchgeführt werden.
Wenn das Endometrium „nicht rezeptiv“ ist, so bedeutet dies, dass das „Implantationsfenster“ verschoben ist. In diesem Fall wird ein neues personalisiertes Implantationsfenster vorgeschlagen, dass erneut mittels ERA untersucht wird. Wenn das optimale „persönliche Implantationsfenster“ identifiziert ist, hat der Embryo im folgenden Zyklus die Chance sich optimal einzunisten.

Weitere Informationen zum ERA-Test: Information zum ERA-Test

Fertigrow

Ein IVF-Versuch kann scheitern, wenn die Schleimhaut keine optimale Qualität hat (Dicke, Schichtung, Aufnahmefähigkeit für befruchtete Eizellen). Studien aus Amerika zeigen, dass „G-CSF“ die Einnistung eines Embryos und den Erhalt einer Schwangerschaft optimal unterstützt. Es konnte gezeigt worden, dass der Aufbau der Schleimhaut durch diese „Spülung“ besser vorbereitet werden kann und sich dadurch eine höhere Einnistungswahrscheinlichkeit ergibt.

Wir haben diese Methode seit August 2011 als erstes europäisches Zentrum in unserem Labor etabliert und bieten sie heute routinemäßig Paaren an, bei denen es wiederholt nach dem Transfer nicht zur Einnistung gekommen ist. Wir können die Verwendung von Fertigrow bei folgenden Indikationen empfehlen:

  • mehrmals zu gering aufgebautee Schleimhaut (weniger als 6-7mm)
  • vermehrte Eingriffe an der Gebärmutter (Ausschabung nach Früh- oder Spätabort)
  • mind. zweimaliges Einnistungsversagen
  • bekanntes Ashermann Syndrom
  • wenn andere Methoden des Schleimhautaufbaus ineffizient waren (z.B. Estrogentherapie)

Fertigrow wird lokal, also direkt in der Gebärmutter appliziert und ist völlig schmerzlos. Sie wird sehr einfach und stressfrei im Rahmen der Eizellentnahme durchgeführt und somit ist auch kein weiterer Termin notwendig.

hCG-Spülung

Eine aktuelle Studie berichtet über die Zunahme der Schwangerschaftsrate, wenn eine Spülung der Gebärmutter mit hCG (humanes Choriongonadotropin, Schwangerschaftshormon) unmittelbar nach der Eizellentnahme (Follikelpunktion) durchgeführt wird.

Wirkung der hCG-Spülung:

  • immunologische Toleranz der Gebärmutter zu Gunsten einer Einnistung wird positiv verändert
  • Durchblutung der Schleimhaut nimmt weiter zu
  • Fähigkeit der Oberflächenzellen den Embryo festzuhalten nimmt zu
  • Krampfbereitschaft der Gebärmuttermuskelzellen nimmt ab (ein Abstoßen des Embryos wird verhindert)
  • Anstieg der Gelbkörperhormonrezeptoren in der Gebärmutterschleimhaut, dieses Hormon ist für die Einnistung entscheidend

Unmittelbar nach der Follikelpunktion erfolgt eine Gebärmutterspülung mit 500 Einheiten hCG. Diese Spülung wird in den Vorgang der Eizellentnahme integriert und verursacht daher keinen zusätzlichen Zeitaufwand und somit auch keine Belastung für Sie. Bisher wurden keine Komplikationen durch die hCG-Spülung beobachtet und es gibt keine Angaben oder Hinweise auf Schädigung des Embryos.

Multi-Lipid (SMOF) Infusion

Wenn das Immunsystem einen erhöhten Anteil an natürlichen Killerzellen aufweist, kann eine Therapie mit Multi-Lipid (SMOF) eine erfolgsversprechende Therapieoption sein. Multi-Lipid (SMOF) ist eine intravenöse Emulsion und enthält vier verschiedene Arten von Fett: Sojabohnenöl, mittelkettige Triglyceride, Olivenöl und Fischöl, welches reich an Omega-3-Fettsäuren ist. Multi-Lipid wurde eigentlich zur künstlichen (intravenösen) Ernährung entwickelt und wird seit Jahren u.a. in der post-chirurgischen Nachsorge routinemäßig benutzt. In diversen Studien konnte gezeigt werden, dass mittels einer solchen Therapie sowohl die Implantations-, als auch die Lebendgeburtenrate günstig beeinflusst werden konnte.

Wann wird Multi-Lipid (SMOF) in der IVF verwendet?

  • erhöhte Rate an natürlichen Killerzellen
  • wiederholte Fehlgeburten oder biochemische Schwangerschaften ohne nachweisbare Ursache
  • Autoimmunerkrankungen wie z.B. Hashimoto-Thyreoiditis
  • Gerinnungsstörungen

Zeitpunkt/Häufigkeit der Infusionen

Multi-Lipid (SMOF) wirkt nicht sofort, daher sollte die erste Infusion im Vorzyklus vor der geplanten reproduktionsmedizinischen Behandlung begonnen werden, die 2. Infusion findet dann bei der Follikelpunktion statt. In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass in 99 % der Patientinnen 1 Woche nach der 2. Infusion die natürlichen Killerzellen unterdrückt waren. Im Falle eines positiven Schwangerschaftstests kann die Behandlung je nach Situation alle 3-4 Wochen bis zur 12. SSW fortgeführt werden.

Seminalplasmaspülung (SPS)

Studien haben den positiven Einfluss bestimmter Anteile der Samenflüssigkeit auf die Einnistung festgestellt. Zu diesem Zweck wird ein Teil der Samenflüssigkeit – das Seminalplasma – von den Zellbestandteilen getrennt und im Anschluss an die Follikelpunktion mit einem dünnen Katheter in den Gebärmutterhals gespült.

Wir konnten gemeinsam mit unseren ausländischen Schwesterinstituten eine Steigerung der Schwangerschaftsrate nach Seminalplasmaspülung feststellen und bieten diese Methode vor allem Paaren an, bei denen es wiederholt nach dem Transfer nicht zur Einnistung gekommen ist. Bisher wurden keine Komplikationen durch diesen Eingriff beobachtet. Leichte entzündliche Reaktionen der Gebärmutterschleimhaut können jedoch nicht ausgeschlossen werden, diese laufen aber meist ohne Beschwerden ab.

WICHTIG: Diese Methode ist nur für Patientinnen geeignet, bei denen Embryonen von guter Qualität transferiert wurden. Sie hilft nicht, wenn in früheren Versuchen die Embryonalentwicklung verzögert abgelaufen ist oder die Zahl der Eizellen oder Embryonen zu gering war.