Befruchtungsversagen

Die Befruchtung – das Verschmelzung von Samenzelle und Eizelle ist ein entscheidender Schritt in der Fortpflanzung und In-vitro Fertilisation. Im Gegensatz zur natürlichen Befruchtung passiert dieser Schritt außerhalb des Körpers der Frau, in einem Schälchen. WICHTIG: Es kann bei sowohl bei der IVF, als auch bei der ICSI Methode vorkommen, dass nur wenige oder keine Eizelle befruchtet wird.

Möglichkeiten bei Befruchtungsversagen nach traditioneller IVF

  • Versuch einer „rescue ICSI“ am Tag nach der Eizellentnahme
    Nachdem es am Tag zuvor offensichtlich keiner Samenzelle gelungen ist aus eigener Kraft die Eizelle zu befruchten, wird jetzt versucht eine Samenzelle mit Hilfe der ICSI Methode direkt in die Eizelle einzubringen. Die Chancen sind jedoch herabgesetzt, weil die Eizelle schon einen Tag alt ist.
  • Anwendung der ICSI Methode im nächsten Behandlungszyklus

Möglichkeiten bei Befruchtungsversagen nach ICSI

  • Anwendung der IMSI (=Intracytoplasmatische Morphologisch Selektierte Spermien Injektion) im nächsten Behandlungszyklus
  • Anwendung der PICSI im nächsten Behandlungszyklus
  • Behandlung der Eizellen mit Calcium Ionophor (CULT-active) im nächsten Behandlungszyklus
  • Anwendung des MACS Art Annexin V Systems im nächsten Behandlungszyklus

Rescue ICSI

Normalerweise erfolgt am Tag der Eizellentnahme (Follikelpunktion) die Befruchtung durch die IVF-Methode und am nächsten Tag kann man bereits feststellen, ob eine Befruchtung stattgefunden hat. Wenn dann ein Befruchtungsversagen vorliegt, kann man an diesem Tag zumindest noch eine sogenannte „rescue ICSI“ versuchen. Diese Methode ist dann als Notlösung gedacht, um noch eine Befruchtung herbeizuführen und den Versuch nicht vorzeitig abbrechen zu müssen.

Bei der ICSI Methode wird eine Samenzelle in eine mikroskopisch kleine Injektionsnadel aufgesaugt und direkt in die Eizelle eingebracht.

Bei der rescue ICSI sind die Chancen jedoch herabgesetzt, weil die Eizelle schon einen Tag alt ist. Für den Fall, dass es auch mit der ICSI zu keiner Befruchtung kommt, sollte bei einem nächsten Versuch zumindest ein großer Teil der Eizellen gleich am Tag der Eizellentnahme statt mit der IVF-Methode mit der ICSI-Methode befruchtet werden.

IMSI (Intracytoplasmatische Morphologisch Selektierte Spermien Injektion)

Bei der „klassischen“ ICSI werden die Samenzellen unter dem Mikroskop begutachtet und eine Samenzelle wird für die Injektion ausgewählt. Bei der Auswahl entscheidet die Form und das Bewegungsmuster der Samenzelle.

Für einige Patienten wäre es vorteilhaft, eine noch genauere Selektion der Samenzellen hinsichtlich der Morphologie (=Aussehen) durchzuführen. Mit der Methode der IMSI können durch eine sehr hohe mikroskopische Vergrößerung der Samenzellen Auffälligkeiten wie z.B. Vakuolen und nukleäre Missbildungen noch besser beurteilt werden.

Wir empfehlen diese Methode bei Patienten, die in Ihrer Vorgeschichte

  • Fehlgeburten
  • einen Entwicklungsstop der Embryonen in einem Vorversuch
  • stark fragmentierte Embryonen und
  • sehr wenig normalgeformte Samenzellen im Spermiogramm hatten.

WICHTIG: Die IMSI ist keine Routinemethode. Diese Technik ist äußerst zeitaufwendig und laut letzten wissenschaftlichen Untersuchungen nur für bestimmte Patienten sinnvoll. Die obengenannten Kriterien geben Aufschluss darüber, ob Sie von dieser Spezialmethode profitieren können.

PICSI (Physiologische Intracytoplasmische Spermien Injektion)

Bei dieser Methode werden nur jene Samenzellen für die Injektion (ICSI) ausgewählt, die an Hyaluronsäure binden. Diese Samenzellen zeigen statistisch betrachtet weniger Defekte der Erbsubstanz (sogenannte „Strangbrüche der DNA“) und weisen häufiger einen normalen Zellkern auf.

Die Injektion mit diesen speziell ausgewählten Samenzellen kann die Embryoqualität und -entwicklung verbessern. Um die PICSI durchführen zu können ist eine gewisse Anzahl und Beweglichkeit der Samenzellen notwendig, d.h. dass sie nicht bei jedem Patienten bzw. Samenbefund durchgeführt werden kann. Wer von dieser Methode profitieren kann, wird im Rahmen eines Gesprächs vorab abgeklärt. Zudem gibt es Testmöglichkeiten auf DNA-Strangbrüche (Sperm Fertility Check), die die Auswahl der möglichen PICSI Patienten erleichtert.

Behandlung der Eizellen mit Calcium Ionophor (CULT–active)

Calcium hat sowohl bei der Befruchtung als auch bei den nachfolgenden Zellteilungen eine wichtige Rolle inne. Bei auffällig niedrigen Befruchtungsergebnissen und Auffälligkeiten in der embryonalen Entwicklung kann ein Mangel von Calcium der Grund sein. So kann entweder die Samenzelle die Eizelle nicht aktivieren (fehlende Befruchtung) oder die Eizelle kann durch mangelndes Calcium die nachfolgenden Teilungen nur unbefriedigend durchführen (verzögerte Entwicklung, Entwicklungsstopp der Embryonen).

Ein Ansatz zur Lösung dieser beschriebenen Problematiken wäre das künstliche Anreichern von Calcium in der Eizelle unmittelbar nach Befruchtung. Dazu werden Eizellen unmittelbar nach ICSI für 15 min einer geeigneten Konzentration des Calcium-Ionophors inkubiert, gewaschen und anschließend in konventionellem Kulturmedium kultiviert. Eine Verbesserung hinsichtlich der Befruchtungsrate bei ICSI in indizierten Fällen und eine Verbesserung der Teilungsraten bzw. Entwicklungsgrad der Embryonen bei indizierten Fällen konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden.

Der Einsatzbereich von Calcium-Ionophor bei Befruchtungsproblematiken ist schon länger bekannt und wird seit Jahren erfolgreich durchgeführt. Die Indikation von Calcium-Ionophor bei Auffälligkeiten der Zellteilung und Entwicklung von menschlichen Embryonen ist noch relativ neu und wurde erstmals im Jahr 2014 im Rahmen einer österreichischen Studie unter Mitwirkung vom Kinderwunschzentrum Goldenes Kreuz wissenschaftlich nachgewiesen.

MACS Art Annexin V System (magnetisch-aktivierte Zellsortierung)

Die Selektion der Samenzellen, die am besten für die Befruchtung geeignet sind, spielt in der IVF Behandlung eine zunehmend wichtige Rolle. In den letzten Jahren wurden neue Verfahren entwickelt um jene Samenzellen mit dem größten Befruchtungspotenzial auszuwählen.

Die magnetisch-aktivierte Zellsortierung (MACS) eignet sich sehr gut, um bestimmte Zellen aus einer Zellgruppe zu isolieren. Beim Annexin V System sind magnetische Mikrokügelchen mit dem Protein Annexin V markiert, das eine hohe Bindungsfähigkeit zu einem Molekül hat, das sich an der Oberfläche zugrundegehender Samenzellen befindet (Phosphatidylserine). Legt man die gebundenen Samenzellen auf eine Trennsäule, die sich in einem Magnetfeld befindet, verbleiben die zugrundegehenden Samenzellen in der Säule und die restlichen Samenzellen fließen hindurch. Die gereinigte Gruppe weist weniger DNA Brüche und deutlich weniger Samenzellen mit Vorzeichen des Zelltods auf.

Durch die Verwendung der gereinigten Samenzellen für die ICSI können laut aktueller Studien eine verbesserte Embryonalqualität, erhöhte Schwangerschaftsrate und verminderte Fehlgeburtenrate erzielt werden. Trotzdem kann der positive Effekt dieser zusätzlichen Selektionsmethode nicht garantiert werden.